winning is everything, but losing isn’t ?

Der Skandal des Scheiterns.

So heisst der Artikel, den Robert Glashüttner für das WASD-Magazin, ein deutsches Heft für Computergames-Liebhaber, geschrieben hat. Und jetzt ist dieser Titel auch noch der erste Satz meines Blogposts. Wow. In seinem Artikel schreibt er über Niederlagen in Computerspielen:

Niederlagen tun weh. Es macht keinen Spass zu verlieren. Wenn der nervige Jan die Eile mit Weile Partie gewinnt, rauft man sich schnell mal die Haare und wenn die kleine Schwester einen in einer Schachpartie schlägt, schämt man sich in Grund und Boden.

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Aber die Spitzenreiter der Verliererquote sind ohne Zweifel die Computerspiele. Allein bei Pac-man stirbt man ja alle fünfzehn Sekunden. Bei Ballergames wird man früher oder später auch erschossen. Und trotzdem hält das Millionen von Gamern nicht davon ab, weiter zu spielen, weiter zu versuchen, weiter zu scheitern.

Und ich glaube kaum, dass verlieren auf Computerspielebene leichter ist. Im Gegenteil. Ich  kenne es ja von mir selbst. Wenn ich bei MarioKart kurz vor dem Ziel auf einer Bananenschale ausrutsche, könnte ich den Fernseher mitsamt Wii-Konsole aus dem Fenster schmeissen.

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(literally me)

Fazit: Verlieren ist scheisse, niemand tut es gerne. Auch nicht die Leute, die sagen: „Nur wer gut verlieren kann, kann auch ein guter Gewinner sein“ (hoi mami).

So und alle die jetzt gehofft haben, dass sie nach diesem Fazit schon von meinem Blog lesen erlöst sind, haben sich deftig geschnitten, muhahah! Denn hat uns nicht Konfuzius (oder sonst ein alter, weiser Mann) gelehrt, dass wir in allem Negativen auch etwas Positives sehen sollten?

Und so bin ich, nach reichlicher Überlegung (na gut eigentlich nachdem ich Robert Glashüttners Artikel gelesen habe) zu der Erkenntnis gekommen, dass auch am Verlieren etwas Gutes dran ist.

kurzer Einschnitt

Ich merke gerade wie Paradox es ist, dass ich, als so ziemlich schlechteste Verliererin der Welt (ja es sind auch schon Tränen gerollt), einen Blogpost über die Vorteile des Verlieren schreibe. #SelbstTherapie? 

Gut jetzt aber weiter im Kontext. Laut Glashüttner kann man durch (das Verlieren in) Computergames seine eigenen Unzulänglichkeiten austesten, sich mit dem Scheitern auseinandersetzten und dadurch würdevoll Verlieren lernen, sich aber auch einen besseren Umgang mit negativen Emotionen aneignen. (Definitiv etwas für mich).

Denn im Spiel dürfen wir Scheitern, ohne dafür bestraft oder lächerlich gemacht zu werden. Es ist also nicht ganz so tragisch, wie wenn wir in unserem Leben versagen würden. Also fällt es uns auch leichter, durch unsere Fehler zu lernen und es beim nächsten Mal anders und hoffentlich besser zu machen. Ich glaube, das ist für viele Gamer auch ein bisschen der Reiz daran: Für sie ist ein Spiel, bei dem man hindernislos ans Ziel kommt, langweilig. Sie wollen ihre Erfolge erarbeiten, Hürden überwinden und eben eventuell auch an ihnen scheitern.

Bekennende Gamer hört man zu angetriebenen Newbies häufig sagen, so steht es im Text: „Lass es lieber bleiben. Es tut weh.“

Und trotzdem ist die Computergameindustrie am boomen.

Es ist ein Widerspruch in sich. Man setzt sich Videospielen aus, obwohl man genau weiss, dass man während dem Spielen die Stimmungsschwankungen einer Schwangeren locker übertrifft. Ich plädiere auf ein Wort das mit M anfängt (aber ich weiss nicht, ob es ganz angemessen ist dieses Wort hier hinzuschreiben, also müsst ihr jetzt eure Fantasie benutzten)

Aber ja, muss zugeben, eine Niederlage macht auch mich wirklich noch etwas williger, das nächste Spiel zu gewinnen. Glashüttner meint zudem, das wir durch unsere Art mit unseren Misserfolgen umzugehen, auch etwas über uns selbst erfahren. Je wichtiger das Spiel und alle Faktoren rundherum für uns sind, desto emotionaler nehmen wir das Scheitern auch auf. Also müssen wir, findet der Autor, unseren psychischen Parameter so abändern, das Niederlagen für uns erträglicher werden und wir zum Beispiel NICHT unsere Mitspieler nach einem Fehlschlag anschreien müssen (me).

Das kann man zum Beispiel dadurch erreichen, indem man Ausreden sucht, wie:

 „Du, heute ist irgendwie nicht mein Tag, es drückt mir schon die ganze Zeit ein bisschen im Bauch…“

oder

„Mann, du hast mir den schlechteren Joystick gegeben, mit dem anderen hätte ich locker gewonnen!“

(Ich weiss zwar nicht, ob das auf Dauer die effizienteste Lösung ist, aber zur kurzen Verdrängung vor der Tatsache, das man wohl oder übel der Loser war, hilft das wahrscheinlich schon.)

Und jetzt, um meinen Eintrag nicht so plump enden zu lassen, nehmen wir uns doch alle noch kurz eine Minute und sind dankbar darüber, dass wir heute und nicht in der Zeit, in der man in Computerspielen nur maximal drei Leben hatte, leben.

(Ich hoffe ich habe mit diesem Blogpost nicht den Eindruck erweckt, dass ich ernsthafte Aggressionsprobleme oder einen Klammernfetisch habe)

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5 Kommentare zu „winning is everything, but losing isn’t ?“

  1. Ach Noa, was soll ich hier zu noch sagen. Ein toller Beitrag über ein (für mich) sehr wichtiges Thema, Verlieren. Eine Niederlage wegzustecken, ist nicht für Jedermann ein Zuckerschlecken. Trotzdem müssen wir alle lernen damit umzugehen, sei es in der Realität oder in der fiktionalen Gamerwelt. Wie würde die Welt aussehen ohne Niederlagen und ohne Verlieren? Wäre das Zusammenleben in unserer Gesellschaft überhaupt noch möglich? Was denkst du?

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    1. Meinen Sie, wie es sich anfühlen würde, wenn z.B. Sie nur noch gewinnen würden? analog wie in den Spielen? Hm, eigentlich eine rein hypothetische Frage. Wenn man aber zum Beispiel den Vergleich zu unserer Wohlstandsgesellschaft zieht, könnte man vielleicht einen Analogieschluss ziehen. Es geht ja um Gewöhnung an etwas Angenehmes. Nehmen Sie irgend etwas Wichtiges, das wir täglich konsumieren oder das uns täglich zur Verfügung steht, z.B. Wasser, elektrisches Licht, die Möglichkeit, sich Filme anzusehen etc. Nun? Wie fühlt es sich an, wenn man immer auf einen Knopf drücken kann und es wird hell? Diese Frage beantworten zu können würde voraussetzen, dass man einmal eine zeitlang keine Knöpfe zum Drücken hatte, im Dunkeln leben musste oder nur ein paar Stunden pro Abend über Licht verfügte. Nun, da wir uns daran gewähnt haben, sagen wir erstaunt: Ist doch normal?

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  2. Bro, mir ghöred in Therapie mit eusne Aggressione und Emotione. Und eusne Chlammere (just to be clear, ich lieb sie). Guete Post, Ironie und Sarkasmus on point, seg doch s’nöchst mal eifach s’M-Wort (es isch Masochist, nöd Möse wies die blöd Sina denkt hed). Mach witer so. Und dini GIFs sind de Hammer. peace out *drops the mic*

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  3. Ich habe als Kind und noch als Jugendlicher weinen können, wenn ich in Karten- oder Brettspielen verloren habe oder meine Fußballmannschaft mal wieder eine Pleite hingelegt hat. Insofern: Sie haben mein tiefstes Mitgefühl. Es kann so weh tun. Dass zu spielen und dauernd mit der Niederlage lernen umzugehen eine Übung in Gelassenheit und eine Art Selbsterfahrung und -therapie sein kann, scheint mir auf der Hand zu liegen, schließlich sind wir lernende Wesen, und solange es nicht um Geld geht, sondern nur darum, unsere Geschicklichkeit oder unser Denkvermögen zu trainieren – oder einfach nur ZEIT TOTZUSCHLAGEN (oops, Freudscher Vertipper), sehe ich darin durchaus eine sinnvolle Beschäftigung. Es sei denn, es wird zur Sucht, das ist dann kein ungetrübtes Vergnügen mehr. Aber hier noch ein ganz anderer Ansatz: Was gerade interaktive Spiele so anziehend macht, ist doch der Umstand, dass man dauernd etwas tut und das Tun etwas bewirkt. Und das hat mich auf eine Passage im Hauptwerk des Philosophen Arthur Schopenhauer erinnert, die mir von der Lektüre geblieben ist: er findet eine Erklärung für ein uraltes Phänomen: dass Menschen an Sehenswürdigkeiten Spuren hinterlassen wollen, also zum Beispiel auf dem schiefen Turm von Pisa »N❤️A« in die Mauer ritzen. Diese Art Spur (egoistisch und oft auch verunstaltend) erklärt Schopenhauer als Reaktion auf ein Unvermögen: Die Sache (das Denkmal) würde von dem Betrachter Bewunderung oder Interesse abfordern, doch wer dafür gerade oder allgemein keinen Sinn hat, der antwortet mit einer banalen Spur, die er einritzt. Oder in Schopenhauers Worten: Auf wen solche Größe nicht einwirkt, der möchte an ihr etwas bewirken, und sei es noch so nichtssagend. Also ein Akt der Ohnmacht. – So, und damit komme ich zum Schluss: Das Spielen gibt uns dauernd das Gefühl, wir könnten etwas bewirken, besonders dank des Belohnungssystems, das gibt uns das Gefühl von Lebendigkeit, auch wenn wir nur auf einem Stuhl sitzen. Wir spüren uns dann. Das hält uns wach. Demgegenüber fordern Tätigkeiten, die nicht automatisch und sofort eine Reaktion erzeugen, eine andere Form der Einlassung. So. Das nur so zur Anregung 🙂

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    1. Wow, danke vielmals Herr Knöss, dass Sie sich die Zeit genommen haben und gleich drei meiner Einträge so ausführlich kommentiert haben. Ja, Ihre Anregung regt mich wirklich zum Denken an. Spielen gibt uns das Gefühl, etwas getan zu haben, auch wenn unser Tun nichts in der Realität verändert hat. Deshalb fällt es auch leichter, zu spielen anstatt zu lernen, weil wir die Früchte davon vielleicht erst in zwei Jahren sehen.

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