„Und was bekomm ich dafür?“

Die echte Welt wartet nicht so ohne Weiteres mit sorgsam vorbereiteten Belohnungen, spannenden Aufgaben und sozialen Kontakten auf, wie das in virtuellen Umgebungen der Fall ist.

– aus dem Zusammenhang gerissener Satz aus Jane McGonigals Buch „Besser als die Wirklichkeit!“

Die Rede ist von Spielen. Also nicht von Brettspielen wie „Eile mit Weile“ oder Kartenspiele wie „Uno“. Nein, es geht um Spiele, die man auf dem Computer, dem Tablet oder seinem neuen iPhone 7 spielt. Spiele, die sich irgendwie realer als „Bieberbande“ anfühlen. Sie sind interaktiver. Spannender. Und sind nicht schon nach zwei Minuten vorbei, wenn jemand lautstark „Ligretto“ruft.

Ausserdem bekommt man nach dem Sieg einer Monopolypartie wenns gut kommt höchstens eine müde Umarmung und im schlimmsten Fall die Scheidungspapiere seiner (Ex-)Frau zugeschickt und keine Töpfe voller Gold oder 300 Erfahrungspunkte.

Und seien wir ehrlich. Jeder spielt sie (wenn auch nur ab und zu). Auch wenn es nur „Candy Crush Saga“ ist. Es gibt bei uns allen einen Moment, bei dem wir uns verlocken lassen und uns, anstatt zu lernen oder die Wohnung zu putzen, drei Level höher spielen und immer neue Quests freischalten.

Wenn wir nur schon eine kleine Pflanze in einem solchen Spiel giessen, werden wir belohnt. Was wir auch tun und lassen, wir werden weitergefordert und mit Anerkennung überhäuft. Durch das werden wir verhätschelt. Und diese Belohnung finden wir im Alltag nicht wieder.

Bin ich nun naiv, weltfremd, oder noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen (obwohl ich erst seit 2001 die Welt unsicher mache), wenn ich mich ein bisschen vor dieser Entwicklung fürchte? Ich weiss nicht, aber wenn wir uns mehr und mehr daran gewöhnen für „jede chlinschti furz“ eine Belohnung zu bekommen, verlieren wir dann möglicherweise jegliche Motivation uns im richtigen Alltag noch anzustrengen? Finden wir die Realität irgendwann so Scheisse, dass keinen Fuss mehr in sie setzten wollen, weil sie uns einfach viel zu anstrengend geworden ist?

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Ja, ich weiss, ich übertreibe schamlos, aber einfach als kleiner Denkanstoss. Wird nicht andauernd eine Vergeltung erhofft, wenn man jemandem einen kleinen Gefallen tut? Keines Falls will ich das den Computerspielen in die Schuhe schieben, geschweige denn war das früher wohl auch nicht sehr viel anders.

Und auch wenn das jetzt nicht mehr gross etwas mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, das nächste Mal, wenn ich etwas Gutes tue, erwarte ich für ein Mal keine Gegenleistung. Durch meinen Blog werde ich noch zu einer guten Person. Igitt!

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4 Kommentare zu „„Und was bekomm ich dafür?““

  1. Ist man ein besserer Mensch, wenn man Gutes tut, ohne etwas dafür zu erwarten? Wahrscheinlich haben Sie recht, merke ich gerade. Aber: Kann man kontrollieren, was man erwartet? (Ist es Ihnen gelungen?)
    Schönes Plädoyer für den Realitätsbezug – was macht die Realität denn wichtiger als die virtuelle Welt?

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    1. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob man seine innere fordernde Stimme ständig kontrollieren kann, aber ich glaube, man lebt glücklicher, wenn es einem gelingt. (ja,es ist mir gelungen:))
      Ihre letzte Frage bringt mich tatsächlich etwas zum Nachdenken. Wenn man seine gesamte Zeit nur noch in der virtuellen Welt verbringt, kann diese ja auch die eigene Realität werden?

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  2. Ich habe mir nie überlegt, ob sich die generelle Zunahme von Spielen mit Belohnungssystem auf unsere Erwartungen im analogen Leben grundsätzlich und allgemein auswirken könnte. Höchstens, dass wer exzessiv gamt (gamet?), allenfalls alles als anstrengender empfindet, was intellektuell fordert – Informationsaufnahme wie längere Texte lesen oder zuhören. Was das freimütige erwartungslose Geben betrifft, gefällt mir die metaphorische Wendung, wonach man ›mit warmen Händen‹ geben soll. Also das Geben zu genießen – als eine Wohltat für den anderen – und lieber mehr als weniger zu geben. Das Geben mit angezogener Handbremse (ich will eigentlich nicht geben, aber ich komme wohl nicht darum herum) ist vergleichsweise kühl – und im Grunde eine ganz andere Handlung.

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