möchtegern tiefgründig

Martin Jüstel probiert sich das Leben und all die Erfahrungen und Erlebnisse, die es mit sich bringt, in Tetrissteinen vorzustellen („Die Tetris These“). Carmen stellt sich hingegen ihre Tage in Form von Blöcken vor, die sie in kleinere Teilstücke unterteilt(Carmens Blogeintrag dazu). Und ich? Ich sitze ziemlich überwältigt auf meinem rückenlehnenlosen Bürostuhl (das soll ja gut für den Rücken sein) und frage mich, ob ich überhaupt ein System, in dem das Leben zumindest ein bisschen Sinn macht, habe.

Also, ich habe mir als kleines Mädchen zum Beispiel vorgestellt, dass je mehr wir wissen, desto grösser werden wir und das sei auch der Grund, wieso meine Eltern so gross waren und mein dummer Nachbarjunge so klein. Aber nachdem ich gemerkt habe, dass nicht alle Erwachsenen so klug waren, habe ich diese These dann auch schnell wieder verworfen.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Ein striktes System, um mir das Leben logischer zu gestalten habe ich nicht. Und doch probiere ich, wie wahrscheinlich jeder Mensch am ein oder anderen Punkt, zu verstehen versuchen, wieso ich überhaupt hier bin.

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(obligatorischer gif in Noas Blog)

Und ich glaube, dass auch eine winzige These jemandem helfen kann, diese ewig ungelöste   Frage, die wir wohl erst nach dem wir ins Grass gebissen haben oder auch bis in alle Ewigkeit nicht beantworten können, etwas erträglicher zu machen. Wir können ja für alles Metaphern finden, die uns unerklärliche Dinge etwas logischer machen. Wieso sollten wir das dann nicht auch mit der wertvollsten, mysteriösesten, wunderbarsten und manchmal auch der schrecklichsten Sache, die wir haben, tun?

Schlussendlich stimme ich aber Carmen zu: Das Leben lässt sich grundsätzlich nicht systematisieren. Es passiert einfach. Und dagegen kann auch keine Tetris These etwas dagegen tun. Aber wir können uns selbst ja trotzdem hier und da täuschen und uns etwas eingebildete Ordnung in die Unordnung bringen. Denn es hat ja, wie Carmen so schön geschrieben hat, zwar keinen Sinn und Zweck, Ordnung ins Chaos zu bringen, aber versuchen kann man es.

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„Und was bekomm ich dafür?“

Die echte Welt wartet nicht so ohne Weiteres mit sorgsam vorbereiteten Belohnungen, spannenden Aufgaben und sozialen Kontakten auf, wie das in virtuellen Umgebungen der Fall ist.

– aus dem Zusammenhang gerissener Satz aus Jane McGonigals Buch „Besser als die Wirklichkeit!“

Die Rede ist von Spielen. Also nicht von Brettspielen wie „Eile mit Weile“ oder Kartenspiele wie „Uno“. Nein, es geht um Spiele, die man auf dem Computer, dem Tablet oder seinem neuen iPhone 7 spielt. Spiele, die sich irgendwie realer als „Bieberbande“ anfühlen. Sie sind interaktiver. Spannender. Und sind nicht schon nach zwei Minuten vorbei, wenn jemand lautstark „Ligretto“ruft.

Ausserdem bekommt man nach dem Sieg einer Monopolypartie wenns gut kommt höchstens eine müde Umarmung und im schlimmsten Fall die Scheidungspapiere seiner (Ex-)Frau zugeschickt und keine Töpfe voller Gold oder 300 Erfahrungspunkte.

Und seien wir ehrlich. Jeder spielt sie (wenn auch nur ab und zu). Auch wenn es nur „Candy Crush Saga“ ist. Es gibt bei uns allen einen Moment, bei dem wir uns verlocken lassen und uns, anstatt zu lernen oder die Wohnung zu putzen, drei Level höher spielen und immer neue Quests freischalten.

Wenn wir nur schon eine kleine Pflanze in einem solchen Spiel giessen, werden wir belohnt. Was wir auch tun und lassen, wir werden weitergefordert und mit Anerkennung überhäuft. Durch das werden wir verhätschelt. Und diese Belohnung finden wir im Alltag nicht wieder.

Bin ich nun naiv, weltfremd, oder noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen (obwohl ich erst seit 2001 die Welt unsicher mache), wenn ich mich ein bisschen vor dieser Entwicklung fürchte? Ich weiss nicht, aber wenn wir uns mehr und mehr daran gewöhnen für „jede chlinschti furz“ eine Belohnung zu bekommen, verlieren wir dann möglicherweise jegliche Motivation uns im richtigen Alltag noch anzustrengen? Finden wir die Realität irgendwann so Scheisse, dass keinen Fuss mehr in sie setzten wollen, weil sie uns einfach viel zu anstrengend geworden ist?

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Ja, ich weiss, ich übertreibe schamlos, aber einfach als kleiner Denkanstoss. Wird nicht andauernd eine Vergeltung erhofft, wenn man jemandem einen kleinen Gefallen tut? Keines Falls will ich das den Computerspielen in die Schuhe schieben, geschweige denn war das früher wohl auch nicht sehr viel anders.

Und auch wenn das jetzt nicht mehr gross etwas mit dem eigentlichen Thema zu tun hat, das nächste Mal, wenn ich etwas Gutes tue, erwarte ich für ein Mal keine Gegenleistung. Durch meinen Blog werde ich noch zu einer guten Person. Igitt!