Es liegt an dir

Ich hatte nie gross etwas mit Computerspielen am Hut. Abgesehen von „Sims 3“ natürlich. Das zwölfjährige Ich hat dieses Spiel regelrecht „gesuchtet“. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, hat meine zweite Computerspielerfahrung sogar einige Dinge gemein mit Sims. Ich spreche über „The Stanley Parable“. In beiden Spielen hat man seeehr viele Entscheidungsmöglichkeiten. Sei es, ob man noch ein weiteres Baby zeugen will, obwohl man schon fünf Kinder hat (Sims) oder ob man, ganz brav, die vom Erzähler suggerierte linke Tür wählt oder rebellisch durch die rechte Tür tritt (The Stanley Parable).

Also um kurz aufzuklären wie ich, als Computerspieldilettantin, dazu kam „The Stanley Parable“ zu zocken: Wir mussten das Spiel als Hausaufgabe herunterladen und haben es anschliessend in der Schule gespielt. Ja, ich weiss, ziemlich unfassbar, es gibt auch in meinem Leben manchmal Momente, die einem Freudentränen ins Auge zaubern.

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Anstatt sittengemäss die Schulbank zu drücken, haben wir also einen Mann namens Stanley Entscheidungen fällen lassen, die ihn explodieren liessen oder ihn verrückt machten. Das Spiel wirkt also nicht sehr inhaltsvoll. Wenn man alle Anweisungen des Erzählers (eine Stimme, die einen das ganze Spiel auf eine ziemlich witzig/sarkastische volllabert) befolgt, „gewinnt“ man das Spiel bzw. Stanley gelangt auf eine Wiese und ist frei. Wenn man die Anweisungen jedoch nicht befolgt, gerät man an alternative, vielleicht etwas brutalere, aber auch um einiges spannendere Enden.

Will uns „The Stanley Parable“ damit etwas sagen? (gehts noch dramatischer?)

Also nehmen wir an, der Spielentwickler symbolisiert mit Stanleys Situation eigentlich unser Lebensalgorhytmus. Wenn wir immer die Regeln befolgen, werden wir ein glückliches, etwas ödes Leben haben und am Schluss im Himmel landen. Sind wir rebellisch und machen, wonach uns der Kopf steht, haben wir zwar das ausgefallenere Leben gelebt, aber haben nicht die Garantie auf einen schönen Schluss unser Geschichte.

Ich weiss nicht so recht, ob meine These auch nur einen winzigen Sinn ergibt. Aber wenn ich ehrlich bin, denke ich, dass der Spielentwickler einfach Lust hatte, die Menschheit ein bisschen an der Nase umherzuführen und einmal ein etwas anderes Spiel mit etwas mehr „mind fuck Potenzial“ auf den Markt zu bringen.

Und falls das seine Intention war, ist ihm das ja auch gelungen.

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6 Kommentare zu „Es liegt an dir“

  1. Danke für diesen Beitrag. Der Entwickler hatte die Absicht, die Computerspielerfahrung zu kommentieren, denke ich. Dort werden häufig Geschichten erzählt, denen der Spieler oder die Spielerin dann einfach folgen muss, ohne irgend eine Art von Freiheit zu haben. In den Geschichten selbst geht es aber oft um Freiheit.
    Der Vergleich mit Sims ist ja deshalb überzeugend, weil es dort offene Entscheidungssituationen gibt. Das Spiel gibt einem ja die Illusion, wirklich frei entscheiden zu können. Mich würde es interessieren, wonach Sie da Ihr Spielverhalten ausgerichtet haben. Was waren Ihre Ziele beim Spielen von Sims? Haben Sie Ihre Vorstellungen von einem guten Leben umgesetzt – oder versucht, zu experimentieren, weil es ja eigentlich »nur« ein Spiel war?

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  2. Also „mind fuck Potental“ hat das Spile auf jeden Fall. Und der Vergleich zum Sims spielen finde ich extrem passend, weil man auch dort auf eine gewisse Weise versucht, seine Charaktere mithilfe von Entscheidungen zu einem Ende zu bringen. Ich lese deine Blogpost seher gerne, du schreibst wirklich humorvolll 🙂

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  3. Ich denke der Entwickler hat sich einen Spass daraus gemacht, ein solch inhaltsloses Spiel zu machen und es grossartig aufzubauschen. Er hat Soziologie betrieben; geschaut wie Menschen reagieren wenn sie Stunden damit verbringen, etwas zu spielen in der Hoffnung etwas zu erreichen, ohne überhaupt die Möglichkeit dazu zu haben, in ein höheres Level zu steigen. Ich sehe das ganze zum Spiel ähnlich… Es hat keinen Grossen Sinn an sich, aber trotzdem reden wir jetzt alle darüber, mit der Absicht einen zu finden. Vielleicht war das ja der Sinn?
    Guter Beitrag, gute Sprachmelodie.

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  4. Das ist ein sehr gelungener Blogeintrag. Du erzählst erst ein bisschen von deiner bisherigen Erfahrung, erklärst das Spiel und versuchst dann eine These aufzustellen die das Ganze erklären soll. Ich bin zwar der Meinung, dass deine These möglicherweise stimmen könnte, frage mich aber immer noch, ob Computerspiele überhaupt einen Sinn haben müssen und nicht einfach nur zum Zeitvertreib und zum Spass da sind. Du hast einen sehr modernen Schreibstil und es ist sehr einfach zu verstehen, was du sagen willst. 🙂

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  5. Ich habe persönlich diese Stunde verpasst, doch dank den vielen Blogposts weiss ich nun trotzdem recht genau, um was es geht. Der erste teil deines Eintrags ist für mich sehr „relatable“, da auch ich früher eine Sims-Phase hatte. Der Zweite teil wird eher philosophisch und ich stimme dir bei deinen Gedanken zu. Dafür, dass es der ca. 37902 Eintrag zu diesem Thema ist, den ich gelesen habe, finde ich dein Post spannend und einfach zu lesen.

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  6. 100/100 mit extra Sternchen. Oder so. Ich schliesse mich dir total an, auch wenn ich selbst noch nie Sims gespielt habe, bin ich mit dem Prinzip vertraut. Du hast dir (jedenfalls wirkt es so) einige Gedanken zu einem Vergleich gemacht und dieser ist dir gelungen. Wir haben eine ziemlich ähnliche These aufgestellt, also kann und will ich dir nicht widersprechen. By the way finde ich deine Kommentare (im Post) sehr gut und zutreffend, wie zum Beispiel mit den Tränen in den Augen. Weiter so.

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